Brief an die Pfarrei

Liebe Schwestern und Brüder in unserer Pfarrei „St. Franziskus“,

die bevorstehen Kar- und Ostertage möchte ich als passende Gelegenheit nutzen, um mich mit diesem Brief als leitender Pfarrer der Pfarrei an Sie zu wenden.

In den nächsten Tagen wird die Stadt Jerusalem im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Wir gedenken des Einzugs Jesu (Palmsonntag), schauen auf das Letzte Abendmahl mit seinen Jüngern (Gründonnerstag), erleben Verrat, Gewalt, Ohnmacht am Kreuz, Hinrichtung, Sterben und Tod (Karfreitag), die Totenstille des Karsamstags. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Osterkerze in der Osternacht in der dunklen Kirche vom Sieg des Lebens über den Tod kündet. All diese Ereignisse im Leben Jesu haben wir in den letzten Jahren aktiv in den liturgischen Feiern mitvollzogen. Doch dieses Jahr ist alles anders, so wie es noch nie gewesen ist.

Vielleicht ist uns das Geschehen von damals in Jerusalem und im Heiligen Land dieses Mal näher – aufgrund der besonderen Situation sind die Städte, Plätze, Einkaufsstraßen wie ausgestorben, das öffentliche Leben ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Geschäfte, Firmen, Betriebe, Schulen dunkel und geschlossen. Ämter arbeiten im Notbetrieb. Es gibt lebensbedrohliche Krankheit, Einsamkeit, Unverständnis, Spannungen. Auch das Gemeindeleben ist wesentlich vom Corona-Virus und den Folgen berührt.

Schweren Herzens hat unser Bischof aufgrund der staatlichen Anordnungen bis auf weiteres alle Gottesdienste und öffentlichen kirchlichen Veranstaltungen im Bistum und in jeder Pfarrei abgesagt, die Sonntagspflicht ist ausgesetzt. So wird es, und das ist für die Gläubigen und Gemeinden sowie ihre Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort sehr schmerzlich, an den Kar- und Ostertagen keine öffentlichen Gottesdienste geben. Mehr „Fastenzeit“, auch über Ostern hinaus, geht eigentlich nicht.
Derzeit gibt es also keine Möglichkeit, sich im direkten Kontakt zu begegnen, auszutauschen, sich menschlich und im Glauben zu stärken.

Gerade die Älteren unter Ihnen, die nicht mehr so mobil sind und vielleicht keinen Internetzugang o.ä. haben, vermissen die Gemeinschaft ganz sehr. Das habe ich aus so manchen Rückmeldungen deutlich gehört. Deshalb auch dieser Brief als ein sichtbares Zeichen auch unserer inneren Verbundenheit, auch wenn äußerlich vieles gerade nicht geht.

Was können Sie in den kommenden Tagen tun, um beim Herrn zu sein und seinen Weg vom Tod zum Leben mitzugehen und Anteil zu nehmen, innerlich gestärkt zu werden?

Bischof Timmerevers hat die Gläubigen des Bistums ausdrücklich dazu eingeladen, in diesen Tagen die Hauskirche, also die Versammlung in der Familie, in den Wohnungen zu Hause wieder neu zu entdecken und in dieser kleinen Gemeinschaft häusliche Andachten oder Gebetszeiten zu halten. Sie haben das Gotteslob oder andere Gebetsbücher als Gebetshilfen, viele sind mit dem Rosenkranzgebet vertraut.

Sie können allein oder gemeinschaftlich eine Kerze entzünden, sich dabei zum freien Gebet und zu Fürbitten (Anliegen, Bitten, Dank gibt es in diesen Tagen sicher reichlich) zusammenfinden an einer ausgewählten Stelle des Tages. Oder einfach nur still werden und in die Kerze schauen, ein Vater unser beten.

Sie können, allein oder miteinander, die Evangelien der kommenden Festtage lesen und vielleicht darüber ins Gespräch kommen. Eine Bibel werden Sie zu Hause haben, nehmen Sie sie zur Hand.

Schwieriger könnte das Auffinden der Textstellen sein. Nachfolgend gebe ich sie Ihnen an:
Gründonnerstag: Joh 13, 1-15
Karfreitag: Passion Joh 18, 1-19,42
Osternacht: Mt 28, 1-10
Ostersonntag: Joh 20, 1-9
Ostermontag: Lk 24, 13-35

Bischof Timmerevers lädt alle im Bistum bis auf weiteres ein, sich jeden Abend um 19:30 Uhr zum Gebet zu versammeln. Dort wo es geht, läuten auch die Kirchenglocken. Ich selbst stelle zu dieser Zeit abends eine Kerze ins Fenster (alternativ ein Licht), bete das Vaterunser und singe mehrmals einen Taizé-Liedruf (meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertraue und fürcht‘ mich nicht). Ich nehme mit der Kerze im Fenster einen Impuls der Katholischen Pfarrei in Oberhausen auf.

Für die häusliche Andacht gibt es Impulse auf der Homepage unseres Bistums (www.bistum-dresden-meissen.de) und auch auf der Homepage anderer Pfarreien (z.B. www.propstei-leipzig.de). Auf der Bistumsseite finden sich Gebetshilfen, Informationen für die Übertragung von Gottesdiensten und Andachten im Internet (Gottesdienste werden in den Kar- und Ostertagen oft aus der Leipziger Propstei übertragen). Es gibt Angebote für unterschiedliche Altersgruppen. Und natürlich auch Informationen und Hinweise für das kirchliche Leben in unserem Bistum aufgrund staatlicher Festlegungen und Bestimmungen.

Die Kinder bitte ich, ihren Eltern bzw. Großeltern dabei, wenn nötig, Hilfe und Unterstützung zu geben.

Die Homepage unserer Pfarrei (www.kirche-muldental.de) stellt auch aktuelle Informationen und Hinweise für Sie zur Verfügung. Bitte nutzen Sie weiterhin die Möglichkeiten der Übertragung von Gottesdiensten über Radio und Fernsehen und anderer religiöser Sendungen.

Es konnten durch den Ausfall der Gottesdienste wichtige Kollekten nicht gehalten werden. Sie sind eingeladen, gerade den Menschen, deren Leben noch schwieriger und bedrohter als bei uns ist, eine finanzielle Hilfe zukommen zu lassen – durch eine Überweisung.

Hier die Kontoverbindungen:
Misereor (5. Fastensonntag): Kontoinhaber Misereor
IBAN: DE 75 3706 0193 0000 1010 10

Palmsonntag
für die Christen im Heiligen LandKontoinhaber: Deutscher Verein vom Heiligen LandIBAN: DE 13 3706 0193 2020 2020 10 Betreff: Spende zu Palmsonntag

Leider muss die Erstkommunion verlegt werden und es fällt der Emmausgang aus. Was mit weiteren Gemeindeveranstaltungen sein wird, hängt auch von der weiteren Entwicklung ab. Bitte auf Vermeldungen o.ä. achten.

Zu Pfingsten soll der nächste Pfarrbrief erscheinen. Sollten Sie Hilfe, Unterstützung brauchen oder Fragen haben, dürfen Sie mich gern anrufen oder per Mail kontaktieren (Tel.: 03425-925192, Mail: pfr.kath-wurden@freenet.de). Das Pfarrbüro in Grimma (Dienstagvormittag) und in Wurzen (Montag, Mittwoch-Freitag am Vormittag) ist bis auf weiteres ausschließlich telefonisch erreichbar.

Bitte haben Sie in Ihrer Umgebung ältere Gemeindemitglieder im Blick, fragen Sie nach, ob Hilfe gebraucht wird. Greifen Sie ruhig öfter zum Telefonhörer und halten Sie Kontakt untereinander. Die gegenwärtige herausfordernde Situation wird uns verändern, bleiben Sie gelassen, vertrauensvoll auf Gottes Schutz und vor allem gesund!

Ich wünsche Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage und freue mich auf ein Wiedersehen, dann, wenn die äußeren Bedingungen es wieder zulassen!

Ihr Pfarrer Uwe Peukert