Hinsehen! Jetzt!

Pfarrer Peukert mit einem Geistlichen Wort zum heutigen Passions-Sonntag:

Heute, am sogenannten Passionssonntag (von lat.: passio – das Leiden), ist es in den katholischen Kirchen Brauch, die Kreuze und manche Altarbilder in den Kirchen zu verhüllen. Kaum jemand wird das mitbekommen, denn Gottesdienste finden z.Z. nicht statt.
Am Ende der Fastenzeit, zu Ostern, werden dann die Bilder wieder enthüllt und sind (neu) zu sehen.

So eine radikale Fastenzeit habe ich noch nie erlebt, nicht nur Bilder und Kreuze sind nicht zu sehen, auch alles sonstige kirchliche Leben bei Gottesdiensten und in den Gemeinden ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch viele Aktivitäten in der Öffentlichkeit wurden in wenigen Tagen radikal „heruntergefahren“.

Auf einmal gibt es Zeit – viel Zeit, um anderswohin zu schauen, auf sich zu schauen, sich Themen zuzuwenden, die bisher übersehen, verdrängt oder wenig wichtig erschienen.

Und deshalb: Wann sehen wir denn endlich mal hin – ich meine das im Sinne von „sehen – urteilen – handeln!“ – auf die gigantische Verschwendung von Lebensmitteln in Deutschland (2019 landeten über 10 Mio. Tonnen davon im Müll)? Nur weil auch spätabends noch das volle Sortiment im Angebot sein muss?! Und möglichst billig muss es sein!
Hinsehen: der Verpackungswahnsinn – z.B. jedes Buch, jede Glückwunschkarte u.v.a.m., bis vor kurzem auch Gurken, alles noch mal extra eingeschweißt. Plaste allgegenwärtig…

Es wird an so vielem geforscht und getüftelt, weshalb nicht an schonenden und wiederverwendbaren Behältnissen und Verpackungen?!
Schnell ist der Briefkasten mit Werbung aller Art zugemüllt, nicht zu sprechen von Hass, Gewalt in Worten und Taten in manchen Medien. –Wer widerspricht?!

Hinsehen: der bisherige Massentourismus – Gerhard Schöne singt darüber in einem seiner Lieder: „Ich hab‘ Paris geseh‘n, Venedig und Athen/ Ich jage über Pisten mit anderen Touristen/ Und wenn ich wiederkehre bleibt dennoch eine Leere.“

Was bzw. wer stillt denn wirklich meine tiefste Sehnsucht, diese Leere? – Schon vor 400 Jahren wusste der Dichter Angelus Silesius: „der Himmel ist in dir, suchst du ihn anderswo, du fehlst ihn für und für“.
Hinsehen: vor kurzem wurde ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet, der Mensch erscheint da wie ein Halbgott, Herr über Leben und Tod, angeblich selbstbestimmt.

Doch es gibt etwas, was größer ist als das menschliche Geschöpf – sein Schöpfer!
Es gibt unterschiedliche Deutungen der derzeitigen bedrängenden Situation. Für mich ist sie vor allem ein Weckruf, ein Impuls zur Umkehr zu einem Leben in Achtsamkeit, Bescheidenheit, Demut und Verantwortung. In Bezug auf meine Mitmenschen, die Natur und im Blick auf mich selbst.
Sehen sie hin und – handeln Sie! Machen Sie einen ersten Schritt!